Wer in den Niederlanden ab dem 1. Juli beim Chatten auf dem Fahrrad erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 95 Euro. Das melden Quellen in Den Haag.
Dieses neue Verkehrsbußgeld wird laut Insidern morgen im wöchentlichen Ministerrat besprochen. Der Betrag ist angeblich auf andere Sanktionen abgestimmt, die bereits für Verkehrsverstöße gelten.
So kostet Radfahren unter Alkoholeinfluss derzeit 100 Euro, Rechtsüberholen und das Überfahren einer roten Ampel 95 Euro. Ein Haltezeichen der Polizei zu ignorieren ist deutlich teurer: 150 Euro. Zu all diesen Beträgen kommen noch Verwaltungskosten.
Ein Autofahrer muss 240 Euro zahlen, wenn er während der Fahrt mit dem Handy in der Hand erwischt wird. Der Unterschied zum Bußgeld von 95 Euro für Radfahrer lässt sich laut Fachleuten unter anderem durch den Schaden (für andere) erklären, den der Verstoß verursachen kann.
Mobiles elektronisches Gerät
Ab dem 1. Juli ist es ohnehin verboten, beim Führen aller Fahrzeuge ein mobiles elektronisches Gerät in der Hand zu halten. Der Begriff ‚mobiles elektronisches Gerät‘ ist weiter gefasst als der bisherige Begriff ‚Mobiltelefon‘, um schon jetzt künftige Entwicklungen zu berücksichtigen.
Die niederländische Verkehrsministerin Cora van Nieuwenhuizen sagte zuvor über das bevorstehende Handyverbot auf dem Fahrrad: „Wer am Verkehr teilnimmt, muss aufmerksam bleiben. Und sich nicht mit seinem Handy beschäftigen.“
Im Durchschnitt nutzen derzeit 49 Prozent der niederländischen Verbraucher ihr Handy beim Radfahren. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar drei Viertel, so eine Studie von Deloitte, die im vergangenen November erschien.
Chatten lenkt am meisten ab
Laut Verkehrsexperten des niederländischen Instituts für Verkehrssicherheitsforschung SWOV sind vor allem Tätigkeiten gefährlich, bei denen die Augen lange nicht auf die Straße gerichtet sind: Chatten steht dabei ganz oben. Studien zeigen übrigens, dass auch Telefonieren mit Freisprechfunktion und Musikhören über Ohrhörer zu schlechterem Verkehrsverhalten führen.
Die genaue Zahl der Verkehrsopfer durch Ablenkung ist unbekannt. Zwei ältere niederländische Studien kamen vor zehn Jahren auf einen Richtwert von 3 bis 4 Prozent der Fahrradunfälle mit Verletzungen, denen eine Handynutzung vorausging.
Es wird erwartet, dass dieser Anteil in den letzten Jahren durch die wachsende Beliebtheit des Handys nur gestiegen ist.
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